"14 Ein Ganzes" - Büschel - einmalig in ganz Deutschland

"Südwestlich von Westerbakum, durch den Esch geschieden, liegt die wenig umfangreiche Bauerschaft Büschel". So beschreibt Georg Reinke in seinen "Wanderungen durch das Oldenburger Münsterland (1920/1921) die Lage dieser kleinen Ortschaft in der Gemeinde Bakum. Büschel: ein seltsamer Ortsname, nur ein einziges Mal gibt es ihn in ganz Deutschland.

(Text und Gestaltung Hubert Kröger) Ausführlich beschäftigte sich Theodor Tebbe (gebürtig aus Büschel, lebt seit vielen Jahrzehnten in Friesenheim am Fuße des Schwarzwaldes) mit dem Namen der Bauerschaft Büschel im Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2019 auf den Seiten 198 bis 217.

Er beginnt seine Ausführungen mit dem Hinweis, dass man unter dem Wort "Büschel" heute ein loses Bündel von etwas Struppigem, etwas lang Gewachsenem versteht: ein Büschel Heu, ein Büschel Haare und dergleichen mehr. Es ist ursprünglich das Verkleinerungswort von Busch und würde somit eigentlich gut zu dieser kleinen Ortschaft im Kreis Vechta passen. Richtig daran ist aber nur so Theodor Tebbe, dass  der Ortsname Büschel das Wort Busch enthält. Keineswegs aber bedeutet es "kleiner Busch".

Erstmalig wurde Büschel 1267 als buschelo urkundlich erwähnt. 2017 feierte man in der Bauerschaft Büschel das 750-jährige Ortsjubiläum.

Theodor Tebbe ist seit seiner  Kinder- und Jugendzeit  geschichtlich äußerst interessiert. So schrieb er auch in der Chronik zum 25-jährigen Jubiläum des Heimatvereins Bakum, dass er als kleiner Junge sehr oft auf dem Stäöwken zu Opas Füßen gesessen und seinen Erzählungen gelauscht habe. So z. B. von seiner Militärzeit im Elsass nach 1871 und davon, wie es seinem eigenen Großvater als jungem Burschen nach der Frühmesse an einem Werktag durch stundenlanges Ausharren im Beichtstuhl gelang, nicht von den Soldaten Napoleons festgenommen zu werden.

Pauline Tebbe (1887 - 1968)

Doch noch stärker wurde Paul Tebbes heimatgeschichtliches Interesse von seiner Tante Pauline Tebbe in Büschel geweckt. Im Haus von Pauline Tebbe war sozusagen die "Büscheler Telefonzentrale". Fast jeder im Dorf, der telefonieren wollte, tat es von Pauline aus und blieb dann meistens noch "tau'n kotten off längeren Schnack." Gerne lauschte dann der kleine Theo dem zu und erfuhr so viel aus dem Dorfgeschehen. Ganz Ohr war er bei ihren Erzählungen aus ihrer Kindheit und aus vergangenen Tagen. So z. B., dass sie nur im Winter zur Schule gegangen seien und im Sommer Kühe hüteten. Sie sprach von verschwundenen Hof- und Heuerstellen, er hörte gänzlich unbekannte Familiennamen, wer alles von Büschel nach Amerika ausgewandert sei und vieles mehr. Von ihr erfuhr er auch, dass und wo sich in Büschel noch ein halbes Hügelgrab befindet. Sie erzählte auch gerne von ihren zwei gescheiten Großonkeln Johann Otto und Johann Heinrich Schuling, die beide Priester waren. Wenn sie von den beiden sprach, fügte sie stets hinzu: "Dei Otto was ja orig klauk, aower dei Heinrich wör noch väl kläuker."

Dieses Heuerhaus wurde zuletzt bewohnt von Tierarzt Alwin Tebbe und seiner Schwester Pauline Tebbe.

Pauline Tebbe vor ihrem Haus in Büschel im Gespräch mit Theodor und seiner Frau Christel Tebbe.


Alfons Schwerter (1921 - 1968) beginnt seine Beschreibung über Büschel mit den folgenden Sätzen. "Flächenmäßig ist Büschel eine kleine Bauerschaft. Vom Kirchdorf Bakum kommend erreicht man über eine Überfahrtbrücke über die Hansa-Linie (A1) den Ort. Man ist noch auf der Überfahrt und erblickt zu beiden Seiten je einen alten Bauernhof. Durch den Autobahnbau wurde das alte Landschaftsbild stark verändert. (Höfe um 1968 Pohlmann  und Tebbe)


Pferde gehörten zur Arbeit in der Landwirtschaft

Ein Foto aus den 30iger Jahren vom Hof Georg Dullweber. Die Pferde ziehen einen Erntewagen, v.l. Maria, Georg, Josefine, Georg, Emma und August Dullweber.                             

Auch für Kinder war das Pferd ein besonderer Spielpartner, wie hier 1956 für Josef und Elfriede Ellmann.

Josef Renze beim Jauchefahren.

Hier kann nicht erkannt werden, welchen Transport Johannes Ellmann mit dem Ackerwagen tätigt. Auffallend ist das gute Pferdegeschirr und der Sonntagsanzug vom Fahrer.

Aber auch beim letzten Weg eines Verstorbenen fuhr Johannes Ellmann mit seinen Pferden den Leichenwagen vom Trauerhaus zur Kirche und von der Kirche zum Friedhof. Der Leichenwagen war im Besitz von Schmied Fette in Bakum. Die Aussegnung erfolgt hier 1956 vom damaligen Vikar Klinker.

Nach harter Arbeit konnten die Pferde von Johannes Ellmann auch den Feierabend auf der Weide genießen.


Fahrschule und Fotograf Walter Menzel

Walter Menzel war als Fahrlehrer und auch als Fotograf in der Gemeinde Bakum bekannt. Ausführlich haben wir auf unserer Internetseite am 3. Juni 2020 über das Leben und Wirken von Walter Menzel berichtet. Zum Link


Der Hof Ellmann um 1955. Heute lebt hier die Familie Balz und bewirtschaftet den bekannten Wihelminenhof mit Obstanbau und Hofladen.

 


Diese alte Scheune auf der Rohenstelle war damals nach dem Krieg so etwas wie ein "Abenteuerspielplatz für die Kinder in Büschel. So erinnert sich Theodor Tebbe in einem Artikel der Heimatblätter, Ausgabe 6/2007). Doch sie war nicht nur Spiel- und Tummelplatz, sie war in der Nachkriegszeit auch Treff- und Sammelplatz für die Hamsterer, vor allem aber deren Schlafplatz. Bis zu sechzig Personen haben dort zeitweilig im Heu genächtigt.

Leider können wir nicht alle Namen nennen, gerne nehmen wir weitere Hinweise entgegen. Zu einem "Mannschaftsfoto" haben sich diese Fußballer aufgestellt. Zu sehen sind hinten stehend: Theo Tebbe, Clemens Blömer, ??, ? Reinke, ??, Clemens Reinken, Heinz Ellmann ??, Josef Ellmann, sitzend Georg Evers, Bernhard Blömer und Heribert Blömer.

Bild aus glücklichen Kindertagen in den siebziger Jahren, v. li. Annette Torbecke, Martina Langfermann, Veronika Herzog, Angelika Balz und Willi Herzog. Kinder aus Büschel besuchten die Schule in Bakum.


Post und Gaststätte Bernhard Schröder

Eine Landpost mit Gaststätte gehörte zum Dorfleben in Büschel dazu.  In allen 14 Ortschaften der Gemeinde Bakum waren in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts Gaststätten zu finden. Die Kombination Post und Gaststätte diente für reichlich Informationen sowohl in Briefform als auch in Gesprächen an der Theke in der Gaststätte bei entsprechenden Getränken. Mit dem passenden Namen "Zur Landpost" und dem Werbelogo "Haake Beck"  startet Bernd Schröder hier 1967 seine morgendliche Posttour durch Büschel.

1963 trafen sich Clemens Reinke, Willi Reinken, Klemens Reinken und Josef Ellmann zu einem Gedankenaustausch. Teilweise konnten auch schon einige Gäste werktags zu 11 Uhr an der Theke begrüßt werden.

Sie sorgten für die Bewirtung in der Gastwirtschaft '"zur Landpost" Elfriede, Maria und Bernhard Schröder.

Oft wurden auch heftige Diskussionen über wichtige Dinge des Zusammenlebens in der Gaststätte zur "Landpost" geführt. 1962 sind hier versammelt Franz Reinke, Josef Reinken, Heinz Ellmann, Heinz Pohlmann, Bernard Schröder, Maria u. Bernard Schröder

Der Musikverein Bakum traf sich hier 1982 zum Kohlessen.

Das Ehepaar Maria (1913-2003) und Bernard (1908-1992) Schröder war in der Gemeinde Bakum bekannt.

Maria Schröder hat unzählige Krippenfiguren geschaffen und schrieb als Heimatdichterin im Oldenburger Münsterland viele Gedichte und Texte. Dankbar sind wir, dass Helmut und Elfriede Schröder sämtliche Unterlagen dem Heimatverein zur Verfügung gestellt haben.  Häufiger berichteten wir in der Vergangenheit aus dem Leben von Maria Schröder.


 Beteiligung am Volksfest in Bakum

Die Dorfgemeinschaft Büschel beteiligt sich seit 1963 regelmäßig beim Volksfestumzug in Bakum. Die Wagenbauer sind schon einige Wochen vor dem Umzug aktiv, um rechtzeitig die Motivwagen zum Umzug präsentieren zu können. Nach vielen Jahren gelingt es auch in Büschel immer wieder, neue Themen zu finden und diese dann entsprechend zu gestalten.

1963 zeigte man im Umzug einen typischen Feierabend in Büschel, mit dabei v. li. Herbert Blömer, Agnes Tebbe, Marlies Pohlmann, Georg Tebbe, Annelies Ellmann, Heinz Ellmann (im Kinderbett), Georg Dullweber.

Die Emanzipation musste 1964 noch von der Männerwelt gelernt werden,  mit dem Rücken: Georg Dullweber, Clemens Reinke, mit Hut Benno Krause, Irmgard Krause, Georg Thole, Clemens Tebbe, Clemens Reinke.

1965 trafen sich alle Beteiligen für den Umzug vor der Gaststätte Schröder in Büschel. Im einzelnen 1 Hildegard Varnhorn geb. Pohlmann, 2 Josef Tebbe, 3 Helene Meyer geb. Schröder, 4 Bernd Willenbrink, 5 Rosa Renze geb. Willenbrink, 6 Klemens Reinke, 7 Klemens Blömer, 8 Werner Pohlmann, 9 Ali Feldt.

1967 nimmt Engelbert Schürmann während des Umzuges den Platz in einer Zelle ein. Engelbert Schürmann war viele Jahre auch Vorsitzender des Pfarrgemeinderates in Bakum.

1969 war ein Kindergarten eine völlig neue Einrichtung. Heribert Blömer zieht mit seinem Deutz-Trecker schon mal einen Kindergarten durch die Straßen von Bakum.

1976 war auch Bernhard Willenbrink, besser bekannt als "Peipi" wieder im Umzug dabei. Die beiden Damen mit Sonnenbrille können nicht erkannt werden.

Asterix und Obelix dargestellt  von Heinrich Bührmann und Ulrich Blömer.


August Dullweber (1901 - 1969) war mit seiner Kamera in Büschel und Harme oft unterwegs. Die nachfolgenden Bilder konnte der Heimatverein aus den vorhandenen Glasplatten digitalisieren.

Vor mehr als 90 Jahren trafen sich diese Herren zum Kartenspielen. Regelmäßig trafen sich v. li. Hermann Knipper, Georg Dullweber und August Strotmann. Nach der Anzahl der Teilnehmer spielten sie wohl Skat.

Hobbyfotograf August Dullweber gelang es sehr oft, besondere Motive im Bild festzuhalten. Hier teilen sich li. Emma Dullweber und eine weitere Melkerin (evtl. ? Schröder) die tägliche Arbeit.

Aus dem Fotobestand von August Dullweber sind viele Portraitaufnahmen vorhanden. Hier sind Maria (1909-1983) u. Alwin Kemper (1905-1999) Büschel zu sehen.

Bernardine Strotmann und  Maria Dullweber in Büschel.


Menschen aus Büschel

2 Bilder mit unterschiedlichen Anlässen; 1960 trafen sich die drei "Revolverhelden" Bernard Schröder, Josef Ellmann und Clemens Reinke zu einer mit Sicherheit harmlosen Wanderung in Wald und Flur. 1960 auf einer gemeinsamen Motorradtour, wieder v. li. Bernard Schröder, Clemens Reinke und Josef Ellmann. 

1955 versammelte sich die Familie Pohlmann zu diesem Foto in der Stube, v. li. Doris, Hildegard, Marlies, Christa, Mutter Maria, Vater Aloys, Heinz und Werner, es fehlt Bernhard.

Ein Kränzchen in der Nachbarschaft war immer ein Höhepunkt von Festlichkeiten, so auch 1964 als Marlies Pohlmann, Maria Kemper und Helena Schröder dekoriert mit Papierblumen schunkelnd das neue Brautpaar feierten.

Eine besondere Ehre war es immer für den 1. Nachbarn, den Kranz aufzuhängen. Hier mit Hut und einem geschmückten Hammer Georg Dullweber.

Treffen der Kinder aus der Nachbarschaft waren eine Selbstverständlichkeit, v. li.  Brigitte Krause, Hildegard Evers, Walburga Evers, Clemens Klostermann, Maria Evers,

Maigang in Büschel 1993 mit Clemens Tebbe, Wilhelm Herzog (1924-2005) und Hans Ellmann (1925-1995 )

Hartmut Pille wird diesen Moment wohl nie vergessen als er 2004 anlässlich einer Pilgerreise mit der Schule Marienhain Papst Johannes Paul II. persönlich begegnete. Leider konnte Hartmut dem Papst nicht weitere Einzelheiten über Büschel berichten. Hierfür reichte die Zeit nicht.


sonstiges

Auch in Büschel brachte die neue Autobahn das Landschaftsbild völlig durcheinander.  Als Erinnerung an "ruhige Zeiten" wurde eine Gedenktafel aufgestellt. Ob sie noch heute vorhanden ist, hierüber sind wir nicht informiert.

Hof Busse gemalt von Ernst von Glasow.

In den Herbstmonaten trafen sich die Jäger auch in Büschel zur Jagd. 1969 hielt Werner Kuper diese Jagdfreunde bei ihrem jagdlichen Hobby im Bild fest, mit dabei Theo Busse, Josef Büssing, Ulrich Büssing, Heinrich Konert und Theo Jost.

Wie bereits vor einigen Wochen gezeigt, hatte Dachdecker Heinrich Brinkhus auch auf Reetdächern in Büschel zu tun. Hier saniert er das Dach des Hauses Pohlmann.

Die Bauerschaft traf sich 2017 mit Alt und Jung zu einem gemeinsamen Gruppenfoto anlässlich der Feier "750 Jahre Büschel."

Mit Büschel beenden wir heute die achte Dokumentation unserer Serie "14 Ein Ganzes". Aufgrund der zahlreichen Seitenaufrufe auf unserer Homepage stößt diese Serie auf großes Interesse. Insgesamt konnten wir schon mehr als 20.000 Seitenaufrufe registrieren.

Büscheler Familien haben uns Bilder aus dem Leben in Büschel in den letzten Jahren zur Verfügung gestellt. Auch von den bewährten Fotografen wie Heinz Zurborg, Walter Zurborg, Werner Kuper und Georg Rosenbaum sind Bilder in dieser Bilderserie vorhanden. Allen ein Dankeschön und in 14 Tagen melden wir uns aus



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