Alte OV-Zeitungen online: Geschichte einfach zugänglich

Hannoversche Soldaten sorgten für Unruhe in Bakum und Daren

Seit einigen Monaten eröffnet sich für Heimatforscher und Interessierte eine besonders wertvolle Möglichkeit: In der Landesbibliothek Oldenburg können sämtliche Ausgaben der OV aus den Jahren 1895 bis 1945 bequem online eingesehen werden. Dank moderner Suchfunktionen lassen sich mit wenigen Stichworten gezielt die Artikel finden, die von Interesse sind.
Ein besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Andreaswerks Vechta, die mit großem Einsatz das Scannen der historischen Zeitungen übernommen haben. Durch ihre Arbeit wurde diese wertvolle Quelle überhaupt erst in digitaler Form zugänglich gemacht.
Noch vor nicht allzu langer Zeit war die Recherche mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Wer etwas Bestimmtes suchte, musste die OM-Heimatbibliothek in Vechta aufsuchen und dort mühsam Seite für Seite durch die alten Zeitungen blättern. Dieses zeitintensive Vorgehen gehört nun erfreulicherweise der Vergangenheit an.

Dieser Link führt direkt zur Landesbibliothek Oldenburg: https://digital.lb-oldenburg.de/lbolrz/date/calendar/885369?d=1895

Zeitungsanzeigen aus der Gemeinde Bakum im Jahr 1926 – sie geben Einblicke in das damalige Alltagsleben, von landwirtschaftlichen Angeboten über Handwerksdienste bis hin zu lokalen Veranstaltungen und Familienanzeigen. Unzählige Anzeigen findet man aus allen Ortsteilen der Gemeinde Bakum sehr schnell per Mausklick. 

Auch wir vom Archiv des Heimatvereins Bakum haben die neue Möglichkeit genutzt und einen Blick in die Ausgaben des Jahres 1926 geworfen – also genau einhundert Jahre zurück. Dabei konnten wir zahlreiche interessante Berichte entdecken, die einen lebendigen Einblick in das damalige Leben in unserer Gemeinde geben.
Bemerkenswert ist zudem, dass bereits damals in der OV eine Rubrik existierte, in der über Ereignisse aus noch früheren Zeiten berichtet wurde. So stießen wir unter anderem auf einen Beitrag über das Jahr 1795, in dem geschildert wird, wie entschlossene Bakumer Männer hannoversche Soldaten in ihre Schranken verwiesen.
Diesen historischen Artikel haben wir im Folgenden in seiner damaligen Formulierung  übernommen.

Aus vergangenen Tagen
Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, also etwa vor 100 Jahren, zogen die Truppen der verbündeten Mächte Mitteleuropas und Englands nach Frankreich, um der dortigen Schreckensherrschaft ein Ende zu machen und wieder geregelte Zustände einzuführen. Sie mußten sich aber vor den fanatischen Kriegsherrn der jungen Republik zurückziehen und kamen nun in die Gegend zwischen Weser und Ems, wo sie sich längere Zeit aufhielten. Auch unser Münsterland wurde in ausgedehntem Maße mit Einquartierung belastet. An einigen Orten blieben die ungebetenen Gäste Jahre lang. Es konnte nun nicht ausbleiben, daß diese Zeit manche Erinnerungen im Volke zurückließ, die sich so bald nicht verwischten. Einige Episoden aus dieser Zeit dürfen vielleicht bei den Lesern der Oldenburgischen Volkszeitung auf einiges Interesse stoßen.  
In Bakum bezogen im März 1795 die Engländer Quartier und blieben daselbst 5 Wochen. Ihnen folgten die Hessen, die erst nach 14 Wochen weiterzogen. Dann rückten die in englischem Solde stehenden Hannoveraner dort ein und nahmen Standquartier. Erst im Jahre 1801 zogen sie wieder ab. Im Volksmunde nannte man noch lange nachher diese Zeit die „hannoversche Zeit". Die hannoverschen Soldaten hatten durchschnittlich eine gespickte Börse. Sie lebten recht flott und bezahlten alles bar, was sie verzehrten. Die Wirte Bakums machten in dieser Periode gute Geschäfte, und die Lebensmittel standen hoch im Preise. Die Fremden erlaubten sich aber auch manche Uebergriffe, und mit der Zeit wurde das Verhältnis zwischen den Jüngern des Mars und ihren Quartierwirten ein recht gespanntes. Hier einige Beispiele:
An einem Sonntage, zwischen Neujahr und Fastnacht , veranstalteten die jungen Leute in Bakum in Meiners Hause (der genaue Standort dieses Hauses wird in einem weiteren Bericht demnächst beschrieben)  ein Tanzvergnügen. Als Tanzsaal diente die „Diele". Während nun die Bakumer Jugend nach den Klängen einer Geige fröhlich im Tanze sich dreht, dringen plötzlich zahlreiche hannoversche Soldaten in geschlossenen Reihen mit gezogenen Säbeln ins Haus und prügeln die überraschten Burschen hinaus. Die Mädchen und die Musiker behalten sie zurück und setzten nun den Tanz bei festverrammelten Thüren fort. 

Nicht immer verlief das Zusammenleben friedlich: Trotz ihrer gut gefüllten Geldbörsen und ihres regen Konsums bei den Bakumer Wirten wurden die hannoverschen Soldaten von den jungen Männern der Gemeinde mitunter recht rau empfangen.

Die an die Luft gesetzten Männer sind wütend über das Geschehene. Sie eilen zum Turm und läuten die Sturmglocke. Ein Soldat, der sie daran hindern will , wird windelweich geprügelt. Es sammelt sich nun alsbald eine Schar Bakumer Männer, alle mit Knüppeln, Dreschflegeln usw. bewaffne. Nun wird zum Angriff geschritten. Bunten Manns (Hermannus), ein starker und gewandter Mann, führt den Trupp an. Mit einem sogenannten "Pullerboom", nach anderer Lesart mit einer Wagendeichsel, rennt er die große Einfahrtsthür ein und schlägt mit seiner gewichtigen Waffe auf die Soldaten los. Ihm folgen unmittelbar die übrigen jungen Leute Bakums und schlagen alles nieder, was den Streichen ihres Anführers entgeht oder sich wieder erhebt. Der starke Manns rennt sich zuletzt mit seinem Baum am Rauchfang fest; zwei Soldaten stürzen mit gezücktem Degen auf ihn los - ehe sie ihn erreichen, werden ihnen von den übrigen Männern die Waffen aus der Hand geschlagen, und sie müssen fliehen. Auch die anderen Soldaten suchen das Weite, soweit sie noch dazu im Stande sind. Die übrigen werden hinausgeschleppt und bei der Kirchdamms-Brücke hingeworfen . Auch die Hauptwache, die sich auf „Haus Batum“ befand , und die den Kameraden zu Hilfe eilte, mußte sich vor den wütenden Bakumern zurückziehen. Diese begnügten sich nicht damit, das Meiners'sche Haus zu säubern , sondern zogen durch das ganze Dorf und trieben alle Soldaten hinaus. Am andern Morgen begaben sich zwei Deputierte aus Bakum nach Daren , wo der Commandeur sich einquartiert hatte, um diesen den wahren Sachverhalt mitzuteilen und das Verfahren der Bakumer als Notwehr zu rechtfertigen. Es geschah denn auch in der Folge nichts weiter, als daß die in Bakum einquartierten Soldaten mit entfernter liegenden wechseln mußten.
Eine ähnliche Geschichte trug sich später zu in Haken Haus in Bakum. Es lebte damals ein außergewöhnlich starker junger Mann, bekannt unter dem Namen ,,Gosebergs Gerd". Von diesem wird erzählt, er habe einmal im Verlauf einer Wette unter jeden Arm ein Brot von 50 Pfund genommen und dann mit jeder Hand eine Tonne Bier am Spundloch gefaßt, und habe diese Last zweimal um den Schloßplatz zu Daren getragen. Eines Abends nun sitzen in dem erwähnten Hause, einem Wirtshause, verschiedene Männer, unter anderen auch der erwähnte „Gerd", und trinken ruhig ihren Krug Bier. Da kommen zwei hannoversche Soldaten herzu, die sofort mit den Bakumern anbinden und sich allerlei Frechheiten erlauben. Ruhig erhebt sich „Gerd“, faßt mit jeder Hand einen Soldaten an die Gurgel, hebt sie empor und trägt sie hinaus, während er ihnen ab und zu die Köpfe so zusammenschlägt, daß das Blut zur Erde fließt. Draußen wirft er sie auf einen Misthausen und kehrt dann ins Haus zurück mit den Worten: „So, die kommen uns nicht wieder.“
Diese und ähnliche Vorfälle hatten zur Folge, daß wie erwähnt, mit der Zeit das Verhältnis zwischen den Bakumern und ihrer Einquartierung sich recht unfreundlich gestaltete, und fast alle atmeten erleichtert auf, als die Hannoveraner 1801 weiterzogen.