Kommunionkleid führte Beuren im Eichsfeld und Bakum im Oldenburger Münsterland zusammen

Günther Feldhaus erinnert sich an die Ereignisse vor über 30 Jahren

In wenigen Tagen feiern wir in Deutschland den 30. Jahrestag der Wiedervereinigung. Unvergessen sind die Proteste in den Monaten vor dem 9. November 1989 in der DDR, der Fall der Mauer mit der innerdeutschen Grenze und dann der anschließende Einigungsprozess mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.

Für viele Bakumer wird diese Nacht vom 2. Oktober zum 3. Oktober 1990 immer in Erinnerung bleiben. Günther Feldhaus hat im nachfolgenden Bericht das Zustandekommen dieser Beziehungen zwischen Bakum und Beuren näher beschrieben.

(Günther Feldhaus) Wenn die Orte Beuren im katholischen Eichsfeld und Bakum im nicht minder katholischen Oldenburger Münsterland am 3. Oktober 2020 gemeinsam den 30igsten Jahrestag der Deutschen Einheit feiern, dann kann es nicht überraschen, dass ein Kommunionkleid aus dem Jahre 1986 dabei im Spiel ist.

Günther Feldhaus war zur damaligen Zeit Kreisgeschäftsführer der CDU in Vechta und wohnte mit seiner Familie in Bakum.

Der Reihe nach: Zur Erstkommunion erhielten alle Mädchen in Ost und West weiße Kleider, in denen sie bei anschließenden Prozessionen z.B. an Fronleichnam als „Engelchen“ Blumen vor dem Allerheiligsten streuen durften. Da Engel in der DDR allenfalls als „Jahresendfiguren“ vorkamen, wundert es nicht, wenn die DDR-Textilwirtschaft kaum weiße Kleider für Erstkommunionfeiern offiziell im Angebot hatten. Viele katholische Kirchengemeinden in der DDR waren deshalb froh, wenn sie Familien über das kath.  Bonifatius-Werk mit Kommunionkleider aus dem Westen versorgen konnten. So ging im April 1986 auch ein Kommunionkleid mit Schuhen und Kranz von der Familie von Lehmden aus Vechta nach Beuren ins Eichsfeld. Daraus entstand dann eine Brieffreundschaft zwischen den beiden Kommunionkindern Andrea von Lehmden in Vechta und Anja Göbel in Beuren, in die dann auch zwei Freudinnen, Maren Feldhaus in Bakum und Nadine Huke aus Beuren einbezogen wurden.

Anja Göbel und Andrea von Lehmden, die beiden Kommunionkinder sind sich nach der Wiedervereinigung auch persönlich begegnet.

Wie kam es nun von der Brieffreundschaft zum Kontakt zwischen Beuren und Bakum? Hier kommen die politischen Gemeinsamkeiten des Eichsfeldes und des Oldenburger Münsterlandes ins Spiel: beides politisch CDU Hochburgen. 

Nach dem Fall der Mauer im November 1989 entstanden sehr schnell sogenannte „Patenschaften“ zwischen CDU-Kreisverbänden in Niedersachsen und Thüringen. Es war naheliegend, dass sich Günther Feldhaus, der Vater von Maren Feldhaus aus Bakum, damals Kreisgeschäftsführer der CDU Vechta, für das Eichsfeld und den Kreis Nordhausen entschied. Ein Grund war die Briefreundschaft der Tochter und ihrer Freundin in Beuren, mehr noch das vergleichbare politisch kath. Milieu beider Bevölkerungen.

Franz-Josef Göttke führte zur Zeit der Wiedervereinigung die CDU-Fraktion im Rat der Gemeinde Bakum.

Schnell war im Frühjahr 1990 der Kontakt zu den Familien der Kinder geknüpft und erste Kontakte zu führenden Personen der CDU in Beuren aufgenommen. Im Mai 1989 wurde durch den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Gemeinderat Bakum, Franz Josef Göttke und dem neuen Bürgermeister in Beuren, Günther Henkel offizielle Kontakte zum Bürgermeister in Bakum, Hermann Rauber und Gemeindedirektor Hans Lehmann hergestellt. Man vereinbarte Amtshilfe zwischen den Verwaltungen. Es erfolgten Besuche und sog. Workshops  für Verwaltungsmitarbeiterinnen aus Beuren zur Einführung in die kommunale Selbstverwaltung im Rathaus  in Bakum. Auch Bürgermeister Henkel konnte mehrere Wochen im Rathaus und in Ratssitzungen wertvolle Erfahrungen sammeln und austauschen. Kurzum, es entwickelte sich ein enges Vertrauensverhältnis mit wachsendem Verständnis für die Situation und Herausforderung in beiden Gemeinden.

Wiedervereinigungsfeier in Beuren am 3. Okt. 1990. Bürgermeister Henkel begrüßte die Gäste aus Bakum. Mit auf dem Foto u. a. BM Hermann Rauber, GD Hans Lehmann, Otto u. Renate Frass, Gisela Sorg u. Gregor Tapke-Jost.

Am Ende wurden der Bürgermeister, Gemeindedirektor, Ratsmitglieder und Gemeindemitarbeiter aus Bakum zu den Feierlichkeiten der Wiedervereinigung Deutschlands in der Nacht vom 02. Zum 03. 10. 1990 nach Beuren eingeladen. Die Bakumer brachten ihren Musikverein mit, der dann einem Fackelzug mit Marschmusik von der „Gurke“, einem

beliebten Lokal am Rand von Beuren, die Bevölkerung Beurens um Mitternacht um den Fahnenmast neben der Kirche versammelte. In einer feierlichen Form wurde die DDR Fahne abgenommen und die von der Gemeinde Bakum gespendete Deutschlandfahne aufgezogen.  Beim Absingen des „Deutschlandliedes“ und des Kirchenliedes „Großer Gott wir loben dich“, gab es nicht nur Tränen sondern auch Rufe nach „Stasi raus“ Alle anwesenden Beurer wussten, wer gemeint war. Für alle ein unvergessener Abend, das Fundament einer bis heute andauernden festen Freundschaft zwischen Bakum und Beuren. 

Wiedervereinigungsfeier 3.10.1990 in Beuren: ??, Fanz-Josef Göttke, Gisela Sorg, GD Hans Lehmann, BM Hermann Rauber, ??, BM Günther Henkel, Hubert Thume.

Die Bakumer Delegation auf dem Weg nach Beuren (2.10.90) - Pause in Duderstadt.

Heinrich Mählmeyer war am 3. Oktober 1990 mit seiner Videokamera dabei und hat das Filmmaterial dem Heimatverein Bakum zur Verfügung gestellt. Ein Zeitdokument für Jahrzehnte.


Weiterer HInweis:

Anton-Günter Kollmer hat seine persönlichen Gedanken über das damlige Kommunionkleid mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und der Freundschaft der beiden Kommunen in Beueren und Bakum aufgeschrieben. Diesen Bericht werden wir zum 30. Jahrestag am 3. Oktober 2020 auf unserer Internetseite ebenfalls veröffentlichen.

Anton-Günter Kollmer war als Musiker des Musikvereins Bakum bei der Feier im Oktober 1990 in Beuren im Eichsfeld dabei.


Fotos: Archiv Heimatverein Bakum und Georg Rosenbaum




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